„Lass dich von anderen Familien inspirieren und trau dich, dein eigenes Ding zu machen.“

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Stephanie Sautter
© Claudia Mueller-Kreiner

Stephanie Sautter lebt mit ihrer Familie in München und hat, seit sie denken kann, Fernweh. Sie und ihre Familie teilen die Freude am Entdecken, am Unbekannten und am Unterwegssein.

Was war der persönliche Auslöser für dich, ein Buch zu schreiben? Wie bist du auf das Thema "Fernreisen mit Kindern" gekommen?

Für meinen Mann und mich war früh klar, dass wir auch mit Kindern einen Weg finden möchten, weiter zu reisen und ihnen die Orte zu zeigen, die wir selbst entdeckt haben und besonders schön fanden. Bei der Planung unserer Reisen kamen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder die gleichen Fragen: Wie klappt das mit dem langen Flug? Was, wenn das Kind krank wird? Was essen die Kleinen vor Ort? Und wie anstrengend ist die Zeitverschiebung wirklich? Diese Unsicherheiten habe ich auch in Blogs und in den Kommentarspalten anderer Travel Families auf Social Media gesehen. Die Reiselust ist groß – aber die Bedenken eben auch.

So entstand die Idee für das Buch: meine eigenen Erfahrungen mit Empfehlungen von Expertinnen und Experten – zum Beispiel aus der Kinder-, Reise- und Tropenmedizin sowie von Flugbegleiter:innen – zu ergänzen und vor allem andere Familien zu Wort kommen zu lassen. Wir profitieren nämlich am meisten von ehrlichen Erfahrungen.

Welche war die erste große Fernreise, die du mit deinen Kindern unternommen hast?

Der Plan war, unsere erste Elternzeit auf Bali zu verbringen, denn das fühlte sich nach einem leichten Einstieg an: viele schöne Hotels, internationale Restaurants und kurze Wege zwischen sehr unterschiedlichen Orten. Um uns an die lange Elternzeit und den Flug heranzutasten, haben wir vorher mit unserer zehn Monate alten Tochter eine zweiwöchige „Testreise“ nach Sri Lanka gemacht. Vieles lief erstaunlich unkompliziert, anderes gar nicht. Aber genau das war wichtig. Wir haben gelernt, mit Herausforderungen umzugehen und sind dadurch viel entspannter in die eigentliche Reise gestartet.

Viele Eltern haben Sorge vor dem „Was-wäre-wenn“. Kannst du ein Beispiel nennen?

Unsere Reise nach Sri Lanka war in dieser Hinsicht sehr lehrreich. Kurz vor dem Abflug wurde viel über steigende Dengue-Zahlen berichtet, auch das Auswärtige Amt empfahl besondere Schutzmaßnahmen. Mit einem Baby ist das aber nicht so einfach, weil viele klassische Insektenschutzmittel noch nicht infrage kommen.

Ich habe viel recherchiert, mit Herstellern gesprochen, Moskitonetze mitgenommen und Kleidung imprägniert. Im Nachhinein waren die Sorgen größer als nötig, aber die Vorbereitung hat uns Sicherheit gegeben.

Vor Ort kam dann trotzdem einiges zusammen: Unsere Tochter bekam Fieber und in so einem Moment denkt man natürlich sofort an Dengue oder Malaria. Wir haben dann in einem Münchner Krankenhaus angerufen und konnten schließlich aufatmen: Uns wurde bestätigt, dass wir gut vorbereitet sind. Am Ende war es „nur“ das Dreitagefieber.
Diese zwei Wochen haben uns vor allem eines gezeigt: Vieles wirkt vorher beängstigender, als es letztendlich ist – und man kann auch weit weg von zu Hause mit solchen Situationen umgehen.

Welches Fernreiseziel steht bei euch als nächstes an?

Letztes Jahr waren wir mit unseren Töchtern zum ersten Mal auf den Philippinen. Beim Inselhopping entdeckten wir eine wunderschöne Insel, bei der für uns sofort klar war: Da wollen wir noch einmal hin. Naomi und Milla hatten riesigen Spaß, dort surfen zu lernen. Und weil wir auf Reisen gern auch Neues entdecken, planen wir auf dem Rückweg ein paar Tage in Taipeh ein. 

Hast du eine liebste Erinnerung an eine bestimmte Reise?

Nein, die eine liebste Erinnerung habe ich tatsächlich nicht. Mich macht vielmehr glücklich, dass bei den Kindern am Ende nicht nur die großen Momente hängen bleiben. Die gibt es natürlich auch: mit Elefanten baden, zum ersten Mal tauchen, mit dem Nachtzug durch Thailand fahren oder neue Freunde finden.

Aber eben auch die anderen, die genauso prägen: Süßigkeiten ohne nachzudenken mit Straßenkindern teilen oder nachts in Hongkong auf dem Flughafenboden schlafen, weil wir wegen eines Taifuns stundenlang auf ein Taxi warten mussten. Ich mag es sehr, wenn sie zu Hause noch von Roti mit Erdnussbutter oder Schokolade träumen. Da merke ich, was diese Reisen mit ihnen machen: Sie lernen, dass Unvorhergesehenes immer dazugehört und wie offen sie für Neues sind.

Welchen Tipp würdest du Familien geben, die sich noch nicht trauen?

Ich würde Familien empfehlen, für eine erste größere Reise ein Ziel zu finden, das ihnen in irgendeiner Weise ein gutes, sicheres Gefühl gibt. Vielleicht weil sie bereits ohne Kinder schon einmal dort waren, vielleicht Südafrika, weil die Zeitverschiebung gering ist. Vielleicht Thailand, weil der Tourismus dort weit fortgeschritten ist. Vielleicht auch ein Ziel, bei dem ihnen das Essen vertraut scheint.

Ich habe Familien interviewt, die bewusst aufs Fliegen verzichten. Familien, die als Großfamilie im Wohnmobil Roadtrips machen. Andere sind zu einer Weltreise aufgebrochen und nie wieder zurückgekehrt. Wieder andere reisen mit minimalistischem Gepäck. Ich bin mir sicher, bei irgendeiner Art des Reisens oder einem Reiseziel denkt man sich: „Hey, das könnte auch für uns was sein.“ Die Message des Buchs soll sein: Lass dich von anderen Familien inspirieren und trau dich, dein eigenes Ding zu machen.

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