Interview mit „Zugrouten durch Europa“ -Autor Patrick Neumann

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Zugrouten durch Europa

Aus dem Fenster schauen, Menschen treffen und direkt am Bahnsteig zur Wanderung starten: Für unseren neuen Reiseführer „Zugrouten durch Europa“ hat Patrick Neumann die schönsten Bahnstrecken zu beeindruckenden Outdoor-Zielen zusammengestellt. Im Interview verrät der ausgebildete Schaffner seine Lieblingsstrecke, die ideale Route für Einsteiger:innen – und wie er mit Verspätungen umgeht.

Porträt von Patrick Neumann

Steckbrief: Patrick Neumann

Bahnbegeistert seit: Kindertagen – schon damals zog es ihn mit seiner Oma zum Bahnhof, um Züge zu beobachten

Beruf: Kommunikationsexperte, unter anderem als Campaigner und Unternehmenssprecher; heute engagiert er sich für gesellschaftlich sinnvolle Projekte

Ehrenamt: Mitglied im Netzwerk „Back-on-Track Europe“, das sich für ein besseres Nachtzug-Angebot in Europa einsetzt

Besonderheit: Ausgebildeter Schaffner – seine Tipps und Tricks kommen aus erster Hand

Wie kam es dazu, dass Züge zu Ihrer Leidenschaft wurden?

Vielleicht, weil ich vom Kinderzimmer auf eine Bahnstrecke schaute? Diesellok rot oder blau, vorn oder hinten – damit füllte ich mein erstes Malbuch. Und was für ein Ereignis war die Präsentation des ersten ICE in Dortmund, als das „E“ noch für „Experimental“ stand! So begeistert man Kinder. Zum Glück war das Auto in unserer Familie nur ein praktischer Gegenstand.

Was macht das Reisen mit dem Zug für Sie so besonders im Vergleich zu Auto oder Flugzeug?

Die Antwort liegt im Wort „Reisen“: Genau das ist die Fahrt mit dem Zug. Aus dem Fenster schauen, andere Menschen treffen – Horizonterweiterung im besten Sinne. Immerhin hat die Bahn einen Fahrplan, während sich die Ankunft mit dem Auto schwer vorhersagen lässt und der Flugverkehr sich kaum mit Pünktlichkeit rühmen kann. Dann doch lieber auf der Schiene chauffieren lassen, gern auch im Bordrestaurant.

„Die Antwort liegt im Wort ‚Reisen‘: Genau das ist die Fahrt mit dem Zug.“

Welche der Routen im Buch ist Ihre persönliche Lieblingsstrecke – und warum?

Ganz klar: Großbritannien. Da schwingt das Mutterland der Eisenbahn immer noch mit. Auf kleinen Bahnhöfen pflegt jemand die hübsche Bepflanzung, die großen Stationen sind historisch und imposant. Selbst wenn sich das Wetter englisch zeigt, gibt es auf dieser Route genug Landschaften, die man sich bestens aus dem Zugfenster anschauen kann.

Gibt es einen Stopp auf dieser Route, den man auf keinen Fall verpassen sollte?

Stadt-Stopp

Glasgow ist großartig: tolle Menschen mit Humor, die ihre Stadt wirklich gernhaben. Weniger schick als Edinburgh, dafür echt, und es ist mehr los. Mit einer putzigen Metro und tollen Museen. Unbedingt eine Tour ins Innenleben des Bahnhofs Glasgow Central machen!

Highland-Stopp

Weiter nördlich ist der Halt in Corrour etwas Besonderes: mitten in der Weite der Highlands, ohne Straßenanschluss. Es gibt nur das bewirtschaftete Station House, die Signal Box und eine Jugendherberge, 20 Gehminuten entfernt am See. Dessen Umrundung ist übrigens eine von über 70 „Outdoor-Aktivitäten mit Bahnanschluss“ im Buch.

Welche Strecke würden Sie Zugreise-Einsteiger:innen empfehlen?

Die siebte Route im Buch, auch wenn sie auf den ersten Blick kompliziert erscheint: Es geht durch sechs Hauptstädte im Gebiet der ehemaligen k.u.k.-Monarchie, zum landschaftlich traumhaften Donauknie und nach Graz noch durch die Kalkalpen. Alle Tickets kann man spontan kaufen.

Gibt es ein Land oder eine Region, die Sie überrascht oder Ihre Erwartungen übertroffen hat?

Das ist eher ein europaweites Thema: wie einfach sich viele großartige Outdoor-Aktivitäten per Bahn erreichen lassen. Früher kaufte man einen Wanderführer und brauchte für die allermeisten Touren ein Auto. Meine eigene Verwunderung führte zur Idee dieses Buches – zu zeigen, wie oft man nahezu am Bahnsteig starten kann. Da die Mitnahme des eigenen Rades eher kompliziert ist, gibt es auch Tipps zu tollen Touren mit dem Leihrad.

Wie gehen Sie mit Verspätungen oder Zugausfällen um?

Den allgemeinen Wandel erlebt man täglich in deutschen Zügen: Aufregen bringt nichts, man nimmt es gemeinsam hin. Das prägt übrigens inzwischen auch mich – nur 10 Minuten Umsteigezeit in Österreich, starker Schnee in der Schweiz? Da gehe ich erst einmal in Deckung, um dann positiv überrascht zu werden: Klappt super. Hoffentlich zukünftig auch bei uns.

Was können auch erfahrene Interrail-Reisende noch aus Ihrem Buch mitnehmen?

Die meisten Erlebnisse gibt es auf den Nebenstrecken – mit Blick in die Natur, nah an Land und Leuten. Viele denken übrigens immer noch, Interrail sei ein Angebot nur für die Jugend. Seit 1998 ist es für alle erhältlich; Kinder unter 12 Jahren reisen gratis mit und auch ab 60 Jahren wird es günstiger.

„Die meisten Erlebnisse gibt es auf den Nebenstrecken – mit Blick in die Natur, nah an Land und Leuten.“

 

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